Donnerstag, 19. Juni 2008

Bloggen im Kellion

"Ein Bruder kam in die Sketis zu Altvater Moses und begehrte von ihm ein Wort. Der Greis sagte zu ihm: Fort, geh in dein Kellion und setze dich nieder, und das Kellion wird dich alles lehren" (Apophtegmata Patrum, Abbas Moses 6).

Kellion ist ein griechisches Wort und bezeichnete im frühen ägyptischen Mönchtum die Behausung oder den Gebetsort der Wüstenväter. In sein Kellion - ein Ort äußerer und innerer Abgeschiedenheit - zieht sich der Eremit zurück, um tröstlich Gottes Nähe oder tränenreich Gottes Ferne zu erfahren. Die Schüler der Wüstenväter verehrten die Mönche als Zeugen eines radikalen christlichen Lebens, deren Glauben und Weisheit in ihren Sprüchen (Apophthegmata Patrum) überliefert wurden. Auch in der lateinischen Kirche wurden die Apophtegmata Patrum recht bald bekannt und zum Beispiel von Benedikt von Nursia aufgegriffen, der die Lebensweise der koptischen Mönche zur benediktinischen Spiritualität "Ora et labora" weiterentwickelte. Das griechische Kellion wurde zur lateinischen Cella.

In jüngster Zeit, im Zuge der Beschäftigung mit fernöstlicher Spiritualität, wurden die Wüstenväter als Lehrer christlicher Meditation wiederentdeckt. Ihr geistliches Leben im Kellion weist eine enge Verwandtschaft zum Beispiel zur Meditation des kontemplativen Sitzens im Zen auf, wie es heute auch bei christlichen Exerzitien praktiziert wird

Nun hat das deutsche Wort "Zelle" eine völlig andere Konnotation als Kellion, der zentrale Ort einer meditativen Übungspraxis. Deshalb bezeichnet der Beisasse als kontemplativer Wohnzimmer-Eremit seinen Blog sehr treffend als "Ein neues Kellion".

Bei ihm habe ich dieses schöne Gedicht gesehen:

was Du schon bist

Werde,
was du schon bist.
Suche ihn,
der bereits dein ist.
Höre auf ihn,
der nimmer aufhört, zu dir zu sprechen.
Gehöre ihm,
der dich bereits sein Eigen nennt.

Gregor Sinaites

Als Gegengabe ein Zitat des Wüstenvaters Abbas Makarios:
"Fliehe die Menschen, sitze in deinem Kellion, beweine deine Sünden und rede nur ungern mit den Menschen. So wirst du das Heil erlangen."


Und für Interessierte ein Link zu einer kurzen Geschichte der Eremiten mit einschlägigen weiterführenden Literaturhinweisen.

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