Donnerstag, 7. August 2008

Beim Sterben nachhelfen

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist dafür, das Leben schwerkranker Menschen, die keine Chance mehr zum Überleben haben und große Schmerzen erdulden müssen, auf deren eigenen Wunsch hin zu beenden. Das hat das Institut für Demoskopie in Allensbach in einer entsprechenden Umfrage zum Thema Sterbehilfe herausgefunden.

Da fehlen doch nur noch die ultimativen 10 Tipps, wie man Menschen das Leben so verleidet, dass sie sich den Tod wünschen.

Hier ein paar Vorschläge - weitere Ideen werden gerne aufgegriffen:

1. Der Einsamkeit überlassen
2. Das Gefühl vermitteln lästig zu sein
3. Mit fremden Menschen zusammenpferchen

4. Privatsphäre missachten
5. Als Kostenverursacher an den Pranger stellen
6. Eigene Gestaltung des Lebens total verhindern
7. Wie Bittsteller oder Aktenzeichen behandeln
8. Die Hoffnungslosigkeit der Situation beschwören
9. Kontakte zu Freunden und Familie erschweren
10. Gott draußen halten

Wenn man das konsequent durchzieht, kann man die Zahl der freiwilligen Abgänger erhöhen und schön die Volkswirtschaft entlasten. Es ist doch so viel einfacher und vor allem billiger, ein bisschen beim Sterben nachzuhelfen statt die Menschen durch Krankheit, Leid und Tod zu begleiten. Wozu die Mühe machen, wenn´s auch anders geht?


Und warum nicht gleich weiterdenken in Richtung anderer problematischer und kostspieliger Bevölkerungsgruppen? Behinderte, Arbeitslose, Kinder, Leute mit geringem Einkommen, Analphabeten, Suchtkranke, Fernsehgucker, Allergiker, Brillenträger, Übergewichtige, Blogger etc. Selbstverständlich nur auf eigenen Wunsch, bei Minderjährigen auf Wunsch der Erziehungsberechtigen.

1 Kommentare:

Elsa hat gesagt…

Hervorragend, Martina! Ich mag sensible Themen so angepackt, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt, denn wenn man ernst darüber reden möchte, winken sowieso alle ab.
(Okay, Geschmackssache oder auch Lebenserfahrung). Ich fand den Beitrag absolut klasse. Du hast das rübergebracht, was WIRKLICH wesentlich ist und du hast es durchaus zynisch rübergebracht, aber das ist grad recht so. Ich höre auch bei (atheistischen) Freunden immer wieder in totaler Selbstverständlichkeit, dass sie sich bei einer tödlichen Krankheit NATÜRLICH das Leben nehmen würden.
Da frage ich mich, jetzt mal ohne Humor, was hier schief läuft. Menschen können hier rundum medizinisch betreut und totalversorgt sterben. In Karachi oder Darfur krepieren sie auf der Straße wegen nichts. HIER wollen sie sich umbringen, mit allem, sie können mit dem goldenen Löffel im Mund sterben (natürlich möchte das niemand, das stelle ich nicht in Abrede, ich wollte auch nicht pflegebedürftig werden und komatös oder sowas, klar), aber in anderen Länder kriegen sie nichtmal einen Schluck Wasser gereicht oder Schmerzen gelindert. Aber HIER wollen sie sich lieber angesichts der Vollversorgung umbringen. Das ist doch alles schief und krank.
(Deshalb finde ich auch deinen Zehn Punkte Plan so treffend).