Sonntag, 28. Februar 2010

Franz, der Musiklehrer oder Kant zwischen zwei Hellen

Am Wochenende war es wieder so weit - ein Kumpel und ich zogen durch die Münchner
Kneipen. Wir landeten irgendwann, recht spät war es auf jeden Fall, im Augustiner und
setzten uns an einen Tisch, an dem bereits ein Mann mittleren Alters saß. Ich suchte noch
kurz die Toiletten auf und als ich zurück kam, waren mein Freund und der Mann bereits in ein
Gespräch über Irland vertieft.

Unser Bier kam und ich lauschte dem Gespräch. Ich kann nicht mehr sagen wie, aber plötzlich
waren wir bei dem Thema "Katholische Kirche". Nach einigem hin und her outeten wir uns
beide als Theologen. Er schaute uns spitzbübisch an und meinte wohl, einen großen Coup
landen zu können, indem er frech grinsend fragte: "Jungs, was ist eigentlich Glaube?"
"Etwas positiv weiterdenken", antwortete mein Freund gewieft. Unser Tischnachbar schien
damit nicht ganz zufrieden zu sein und stieg sofort mit philosophischen Fragen ein.
Wir diskutierten über christliche Werte, was Religion für Massen bedeuten kann, den
persönlichen Glauben und sogar themenlastige Fragen wie die Frage der Trinität und der
Transsubstantiation; wir versuchten sogar die Frage zu erörtern, ob man Christ sein kann,
ohne die Auferstehung Jesu Christi anzunehmen. Ob das nicht zu dogmatisch sei und wo die
Freiwilligkeit in dieser Entscheidung liege, fragte er. Bei dieser Fragen gerieten wir dann ins
Stocken und bestellten die nächste Runde. Mittlerweile hatten wir drei auf das "Du"
angestoßen und wussten, dass er Musik und Pädagogiklehrer war und großes Interesse an der
Religionswissenschaft hatte. Franz, so sein Name, fragte uns dann, wie eine absolute Vorgabe
mit dem Gewissen vereinbar sei und ob dies nicht ein Problem im Christentum darstelle?
Wir verneinten das, denn der Gewissensvorbehalt ist selbst im CIC, dem kirchlichen
Gesetzbuch verankert, als letzter Artikel. Freundlich lächelnd meinte er dann, dass er mit der
Annahme des Glaubens Schwierigkeiten habe, da es für ihn nicht einfach wäre dies alles
anzunehmen und für wahr zu halten. "Und genau das ist Kant", meinte ich dann, nachdem mein Glas schon wieder nur noch halbvoll war. "Kant meint als Definition für den Glauben, etwas Unzureichendes für wahr halten. "Es ist nur - oder Gott sei Dank - Glaube, wenn wir etwas annehmen, was wir nicht ganz nachvollziehen können. Die Fähigkeit, Glauben zu können, wird auch als Gnade angesehen und Gnade als Geschenk", schloss mein Kumpel ab.

Franz dachte kurz nach und leerte dann mit einem Schluck sein Glas. Grinsend stimmte er uns
zu und bot dann an, unsere Zeche zu übernehmen. Das war für uns natürlich kein Problem.
Für uns ging es schließlich noch weiter an diesem Abend und Franz verließ uns dann auch
bald, da er auf den letzten Zug in seine Heimat musste. Uns rief das Andechser am Dom.

Ein Gastpost von Philipp Brutscher.

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