Montag, 17. Mai 2010

Think Tank der Kirche: Think Big!

Mit einem Think Tank zu Reformthemen will die Deutsche Bischofskonferenz der aktuellen Austrittswelle begegnen. Die Steuerungsgruppe soll erarbeiten, wie sich die Kirche zum kulturellen Pluralismus in der Gesellschaft stellen will und das Verhältnis der Kirche zum gesellschaftlichen und staatlichen Leben in Deutschland überprüfen. Laut Spiegel Online sollen auch Reformthemen wie der Pflichtzölibat für katholische Priester diskutiert werden.

Diese Themen warten schon seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auf die offene Diskussion darüber, was "Kirche in der Welt von heute" - in Deutschland bedeutet. Ich werde weder den Pflichtzölibat verteidigen noch die Frauenordination ablehnen. Auch eine Stärkung der Ortskirchen, beispielsweise hinsichtlich Bischofsbesetzungen, wäre mehr als wünschenswert. Es ist unerlässlich, dass sich die Kluft zwischen dem, was die Mehrheit der Gläubigen glaubt, erfährt, lebt und denkt und dem, was offzielle Lehrmeinung ist, geschlossen wird. Dass der Diskurs nun unter dem Druck einer Austrittswelle begonnen wird, finde ich schade und unglücklich. Ich wünschte er wäre ohne Missbrauchs- und Glaubwürdigkeitskrise in Gang gekommen.

Er wird auch nicht ausreichen, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Dazu brauchen wir viel mehr als Zölibats- oder Kirchensteuerdiskussionen! Wir haben gerade in der aktuellen Krise eine riesengroße Chance: Der Öffentlichkeit zu zeigen, wie der Glaube an Jesus Christus neue Lebensmöglichkeiten eröffnet - durch Umkehr, Versöhnung, Hoffnung und Befreiung zu einem neuen Leben. Wie wir als Schwestern und Brüder so miteinander umgehen, dass ein großes Mehr an Leben in Fülle für Alle daraus erwächst. Eine Gemeinschaft, die ihren Glauben und ihr Leben auf dem Evangelium gründet, wird wieder einladend und attraktiv für Menschen sein, denn sie bietet ihnen eine Perspektive für ihr eigenes Leben. Äußerungen wie "Das Schicksal eines Menschen ist wichtiger als der Ruf (die Macht, der gesellschaftliche oder der politische Einfluss, die Pfründe) der Institution" treffen in etwa das, was ich meine. Jetzt gilt es aufzuzeigen, wie dies in Zukunft konkret und konsequent umgesetzt werden kann.

Bernd Jochen Hilberath, Professor für Katholische Dogmatik an der Uni Tübingen hat es im Blick auf die aktuelle "Missbrauchskirse" so formuliert: "Und dann muss Kirche in einem werbenden positiven Sinn herausstellen, wie sie vom Evangelium her, in dem es nämlich Fehler, Umkehr und Versöhnung gibt, mit diesen Dingen umgeht. Das heißt, es geht nicht nur darum, sich um die Opfer zu kümmern, das ist das Primäre, das muss unbedingt sein. Sie muss sich auch dazu stellen, wie sie mit den Tätern umgehen wird und wie Vergebung, Versöhnung, Neuanfang geschehen kann. Das muss sie in ihrem eigenen Raum glaubwürdig vorleben. Und da sollten die Bischöfe allen Wert drauf legen oder alle Anstrengungen hineingeben. Nur dann, wenn Kirche vorlebt, wie wir miteinander umgehen können - bei allem Versagen, bei aller Schuld -, dann hat sie überhaupt noch eine Chance, in der Gesellschaft ernst genommen zu werden."

Das komplette Interview mit Professor Hilberath vom 22.04.2010 hat im Kern nichts an Aktualität verloren, auch wenn der Anlass inzwischen von der Geschichte überholt wurde:
"Mixa ist nicht das Opfer der Medien" im Deutschlandradio.

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