Samstag, 24. Juli 2010

zwei alte gedichte

berichte von panik im tunnel, so viele tote, apokalyptisch anmutende bilder in allen medien und duisburg ist so nah wie der tod dem leben...

wahrscheinlich passt es gar nicht, ich bin keine germanistin, es kam mir einfach in den sinn, ein gedicht von paul celan, eines der ganz wenigen, die ich mal auswendig konnte:

Bei Wein und Verlorenheit, bei
beider Neige:

ich ritt durch den Schnee, hörst du,
ich ritt Gott in die Ferne - die Nähe, er sang,
es war
unser letzter Ritt über
die Menschen-Hürden.

Sie duckten sich, wenn
sie uns über sich hörten, sie
schrieben, sie
logen unser Gewieher
um in eine
ihrer bebilderten Sprachen.


wahrscheinlich auch dies germanistisch unerträglich - ich konnte "Bei Wein und Verlorenheit" nie ohne

Zürich, Zum Storchen

Für Nelly Sachs

Vom Zuviel war die Rede, vom
Zuwenig. Von Du
und Aber-Du, von
der Trübung durch Helles, von
Jüdischem, von
deinem Gott.

Da-
von.
Am Tag einer Himmelfahrt, das
Münster stand drüben, es kam
mit einigem Gold übers Wasser.

Von deinem Gott war die Rede, ich sprach
gegen ihn, ich
ließ das Herz, das ich hatte,
hoffen:
auf
sein höchstes, umröcheltes, sein
haderndes Wort –

Dein Aug sah mir zu, sah hinweg,
dein Mund
sprach sich dem Aug zu, ich hörte:

Wir
wissen ja nicht, weißt du,
wir
wissen ja nicht,
was
gilt.

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